Eine ungewöhnliche Tour

Eine ungewöhnliche Tour

Schwimmen und mehr: Vancouver

Am nächsten Tag traf ich mich wieder mit Steven.
Wir wollten gemeinsam schwimmen gehen.
Steven ist professioneller Schwimmer und ich wollte von ihm lernen. Also machten wir uns nach dem Frühstück auf den Weg zu einem großen Pool, der direkt am Meer liegt.
Es war so cool im Wasser zu schwimmen und dabei direkt aufs Meer schauen zu können. Steven hat mir ein paar Tipps gegeben, wie ich meine Schwimmtechnik noch verbessern kann und er hat selbst etwas trainiert. Wir sind dann nochmal zum „third beach“ gelaufen, einfach weil es so unglaublich cool war.
An diesem Tag war sogar fast keine Wolke am Himmel, sodass wir den Strand diesmal noch mehr genießen konnten.

Im Hostel habe ich dann den Plan für die nächsten Tage aufgestellt. Erstmal noch zwei Tage Vancouver und dann wollte ich weiterziehen in Richtung Whistler. In Whistler gibt es nicht nur eines der größten Skigebiete überhaupt, sondern in der Sommer Season auch den wohl größten Bikepark der Welt.
Ein Grund, warum ich mich für Kanada entschieden habe, war tatsächlich, dass man hier wie nirgendwo sonst Mountainbiken kann. Natürlich nur im Sommer und frühen Herbst, daher wollte ich direkt nach Whistler.

Außerdem liegt Whistler gerade einmal 90 min Autofahrt von Vancouver entfernt, was in Kanada wirklich selten vorkommt.
Eigentlich wollte ich mit dem Bus fahren, bevor ich mir spontan die Frage gestellt habe: „Hey, du kannst doch auch besser reisen, oder?“
Ich habe dann Poparide entdeckt – in etwa vergleichbar mit BlaBlaCar in Deutschland – und habe direkt eine Fahrt gebucht.
Vancouver nach Whistler für gerade mal 17 CAD (ca. 12€) + ich werde direkt am Hostel abgeholt und direkt in Whistler am Hostel wieder abgesetzt.
Der Bus hätte mehr als das doppelte gekostet – wieder eine wichtige Lektion:
Es lohnt sich immer, über den Tellerrand hinauszuschauen.

Das Nachtleben von Vancouver

Nach dem Abendessen wollten wir unbedingt nochmal raus in die  Nacht von Vancouver.
In Vancouver gibt es den Lockout Tower, auf den man rauf kann, um eine wirklich einmalige Sicht auf die Stadt zu bekommen. Erst hier oben wurde mir bewusst, wie riesig alleine Downtown ist und wie viel Natur trotzdem in und um Vancouver herum ist.
Die vielen Lichter von den Gebäuden, die Scheinwerfer der Autos und Schiffe sowie das extrem auffällige Stadion tauchten die ganze Stadt in ein Lichtermeer, das ich bis dahin so noch nicht gesehen habe.
Es war einfach atemberaubend und irgendwie fühlte ich mich schon heimisch in dieser geilen Stadt.

Leider konnten wir nicht so lange aufbleiben, da wir uns beide für den nächsten Tag für eine Tagestour vom Hostel eingeschrieben haben. Also sind wir wieder zurück und freuten uns schon auf den nächsten Tag…. Doch dieser kam anders als erwartet…

Eine ungewöhnliche Tour

Nach dem Frühstück sollte es um 9 Uhr los gehen. Wir wussten nur, dass wir die berühmte Suspension Bridge besuchen sollten und wir einen Tourführer haben, der cool drauf sein soll.
Insgesamt waren wir 14 Leute – alle aus den umliegenden Hostels. Wir sind die ersten Meter bis zum Strand gelaufen und unser Tourguide – Erik – fing an, etwas zu erzählen als er plötzlich innehielt, wir uns umdrehten und eine ältere Frau sahen, die langsam auf uns zu gewatschelt kam. Sie gehörte auch zur Gruppe und Erik sah nicht besonders begeistert aus.
Wir gingen weiter durch die Stadt und wir mussten schon wieder minutenlang auf die Frau warten. Erik hat sie gefragt, ob sie weiß, dass das eine Wandertour ist und wir heute viel laufen werden, die Frau hat nur geantwortet: „Ich laufe viel.“
Gut, dann sind wir weiter gegangen und haben uns einige Hochhäuser angeschaut. Es war ein bisschen wie in Dubai – Meisterwerke der Architektur und nicht ganz günstige Wohnungen.
Am beeindrucktesten war ein Gebäude, das von der einen Seite total normal aussah, von der anderen aber ein Kunstwerk war. Die günstigste Wohnung kostet knapp 1.500.000 € – im Erdgeschoss. Selbst wenn man dieses Geld locker hat, ist es nicht mehr möglich, dort noch eine Wohnung zu bekommen. Mehrere Wochen nach Baubeginn waren alle Wohnungen in diesem irren Gebäude verkauft. Einfach nur der Wahnsinn.

Wie ist sowas möglich??!!

Raus in die Natur

Während Erik uns davon erzählt hat, hat uns dann irgendwann auch die Frau wieder eingeholt und angefangen mitten im Satz Fragen zu stellen.
Zum Beispiel hat Erik gerade von den Kanu Teams in Vancouver erzählt und genau erläutert, dass das lokale Teams sind, die hier für Meisterschaften trainieren, als die Frau – wieder mitten im Satz – die Frage stellte, ob das da auf den Kanus die Polizei sei. Es war einfach nur schrecklich mit dieser Frau, sie hielt uns nicht nur beim Laufen auf, sondern sie war auch noch richtig unfreundlich und arrogant.
Sie hat auch unseren Tourguide so gestresst, dass dieser sein Wasser unterwegs vergessen hat – dazu später mehr.

Nachdem wir wirklich faszinierte Gebäude in Vancouver gesehen haben, sollte es weiter mit dem Zug und der Fähre in Richtung Regenwald gehen. Ja Vancouver hat tatsächlich auch noch einen Regenwald zu bieten!
Wir waren etwas spät dran und beeilten uns, um unseren Zug noch zu erwischen. Der Zug ist gerade eingefahren, als ich und die Gruppe am Gleis ankamen.
Gut, nicht ganz… wir haben uns umgeschaut und eine Person fehlte natürlich noch. Sie war wirklich nicht schnell und wir konnten den Zug schlecht 5 min aufhalten bis sie kommt. Erik wäre am liebsten einfach mit uns eingestiegen und fertig, aber das ging natürlich nicht. Als sie nach 5 min kam und der Zug schon längst weggefahren war, sagte sie plötzlich mit einer vorwurfsvollen Stimme zu uns, dass wir den Zug verpasst hätten.
In diesem Moment habe ich mich nur noch gefragt, wie so eine Person überhaupt nachts schlafen kann. Jedenfalls mussten wir die nächste Verbindung nehmen, was an sich gar nicht so schlimm war, da wir unsere Fähre auch so erreichen konnten. Zumindest theoretisch, da wir dann nur noch wenige Minuten hatten fürs Umsteigen – mit dieser Frau eine Mammutaufgabe.
Wir sind von der U-Bahn zur Fähre gerannt, während diese Frau langsam einen Fuß vor den anderen gesetzt hat. Es war als wären wir ihre Laufburschen und sie kommt dann, wenn alles geregelt ist und alle Probleme beseitigt worden sind.
Selbst Erik – er ist fast 80 – hat sich beeilt, leider zu sehr, denn als er bei uns mit der Frau an der Fähre ankam, hatte er seinen Tee nicht mehr in der Hand, den er vorher extra gekauft hat. Irgendjemand hat ihn gerempelt und der Tee war auf den Boden verteilt. Jeder hat sich in diesem Moment gedacht: „Warum ist das verdammt nochmal nicht dieser unfreundlichen Hexe passiert?“

Mit der Zeit haben wir uns dann mehr oder weniger an die Anwesenheit von ihr gewöhnt. Die Tour war auch wirklich atemberaubend, was wir alles sehen konnten und wie cool Erik drauf war.
Das war definitiv keine klassische Sehenswürdigkeitsrunde, bei der irgend so ein Professor langweilige Reden über die Geschichte irgendeines Gebäuden hält.
Hier ein paar coole Bilder:

Unglaublich: Die Frau steigert sich noch

Ein Highlight war es, den Lachsen dabei zuzuschauen, wie sie gegen den Strom zu ihrem Geburtsort zurückschwimmen (auf dem ersten Bild zu erkennen/ bzw. zu erahnen).
Wir konnten sogar aus nächster Nähe sehen, wie sie über Hindernisse Flussaufwärts springen. Das war echt beeindruckend, wie die plötzlich aus dem Wasser geschossen kamen um fast ein Meter hochzuspringen.

Nachdem wir eine kurze Pause gemacht haben, konnte Erik die Frau zum Glück überreden eine Abkürzung zu nehmen, bei der sie dann auf uns warten sollte. Sie war nicht begeistert und hat nochmal gesagt, dass sie ja viel läuft. Nur blöd, dass es einen Unterschied gibt, zwischen viel laufen und schnell laufen.

Wir sind dann knapp eine Stunde komplett ohne die Frau gelaufen, das war fast wie im Paradies und Erik meinte zu uns, sowas habe er in seiner 25-jährigen Tourführung noch nicht erlebt.
Als wir dann wieder zur Frau gestoßen sind, hat sie Erik angemacht. „Ich habe den Weg alleine gefunden, nicht durch deine komische Erklärung. Außerdem hatte ich schrecklich Angst vor einem Bär….“ Es war hoffnungslos.

Auf dem Weg zu unserem eigentlichen Highlight – der Suspension Bridge – kamen wir dann an einem Baum mit Mund und Augen vorbei. Erik wollte uns nur diesen Baum ZEIGEN und die Frau so plötzlich: „Oh, ich werde ihn KÜSSEN.“ Was dann geschah war echt verstörend – der arme Baum.

Kurze Zeit später haben wir einen Bären gesehen – allerdings nur einen aus Holz. Und Erik hat zur Frau gesagt, dass sie doch auch den Bären küssen könne. Die Antwort der Frau war einfach nur legendär: „Nein ich küsse doch nicht jeden, ich bin WÄHLERISCH.“
Das war der Punkt, wo selbst Erik laut los lachen musste. Mittlerweile war die Frau einfach nur noch der Grund zum Lachen. So hart es sich auch anhören mag, bei diesem Wesen konnte man nicht anders. Irgendwie hatte sie es ja auch verdient mit ihrem arroganten, unfreundlichen und anstrengendem Auftreten.

Der Suspension Bridge Park war echt cool und wir haben einige interessante Tiere gesehen. Streifenhörnchen, viele gelbe Riesenschnecken und sogar einen Falken.
In diesem Park ist auch dieses coole Foto entstanden, ohne die Frau natürlich:

Wir waren echt eine coole Truppe und ein paar von uns wollten sich abends noch auf einen Drink treffen. Das haben wir dann auch gemacht und sehr viel Spaß zusammen gehabt.
Leider konnte ich nicht lange bleiben, da ich ja am nächsten Tag nach Whistler weiterreisen wollte. Immerhin war ich nicht alleine, da ein Mädchen aus unserer Truppe auch am nächsten Tag früh raus musste.
Ich habe mich also von meinen gerade erst gewonnenen Freunden verabschiedet und freute mich schon darauf, in Whistler neue Leute kennenzulernen.
Eine zentrale Erkenntnis, die ich bis dahin von meiner Reise mitnehmen konnte, war, dass sobald sich eine Tür schließt, sich irgendwo anders eine neue Tür öffnet.
Beim Einschlafen war ich dann auch etwas aufgeregt, da ich ja zum ersten Mal innerhalb Kanadas etwas länger reisen sollte und dann mit jemanden, mit dem ich vorher nur kurz zwei Sätze gechattet hatte. Außerdem hatten wir uns in Downtown verabredet und unterwegs habe ich ja kein Internet – es war wie in den guten, alten Zeiten: entweder wir sehen uns oder halt nicht, eine andere Kontaktmöglichkeit gibt es halt nicht.

Ich schlief dann ein, während ich mir vorstellte, wie ich mit meinem Bike die Berge in Whistler runter schreddere.

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